Monatsimpuls – September 2021

« Die Hoffnung, Anker meiner Seele » (Hebr. 6, 19)

Beim Nachdenken über diesen Impuls bin ich auf eine Haltung gestoßen, eine Tugend, die wirklich zentral ist für uns in Afrika im Allgemeinen und in der Demokratischen Republik Kongo im Besonderen. Es geht um die Hoffnung. Aber ehrlich gesagt, für wen ist Hoffnung nicht wichtig? Wer von uns kennt nicht Zeiten der Hoffnungslosigkeit, wo alles verloren scheint, wo man den Eindruck hat, durch einen endlosen Tunnel zu gehen? Ein kleiner Lichtschein weit vorne nährt die Hoffnung, dass das Ende dieses Tunnels eines Tages erreicht sein wird.

Die Hoffnung ist eine der drei theologischen Tugenden und ich habe den Eindruck, dass sie unter den dreien ein wenig vernachlässigt wird. Wir sprechen viel vom Glauben und von der Nächstenliebe aber weniger von der Hoffnung als eine christliche Grundhaltung. Wir tun viel, um im Glauben zu wachsen und in unserer Liebesfähigkeit, aber denken wir auch daran, unsere Hoffnung zu nähren und zu stärken? Und doch, wir leben von ihr, die Hoffnung ist eine Quelle des Lebens. 

Also habe ich mir gesagt: Es ist es wert, über diese Haltung der Hoffnung nachzudenken und sie zu vertiefen, damit wir stärker aus ihr leben können. Im Hebräerbrief habe ich diese schöne Formulierung über die Hoffnung gefunden: „An ihr haben wir gleichsam einen Anker für unsere Seele, der sicher ist und fest…“ (Hebr. 6, 19) und ich verwende sie als Thema für diesen Impuls. 

Hoffen, das bedeutet darauf zu warten, dass etwas Wirklichkeit wird, was man ersehnt. Es ist aber weder ein passives Warten noch ein ängstliches. Hoffnung unterscheidet sich ebenfalls von einem simplen Optimismus, der manchmal sehr oberflächlich ist. Hoffnung ist auch keine sentimentale Träumerei. Sie ist garantiert durch den Glauben, der die Substanz der Hoffnung ist. Sie ist eine Gabe Gottes durch den Heiligen Geist. Die Tugenden und Haltungen, die in Verbindung mit der Hoffnung stehen, sind: Geduld, Standhaftigkeit, Vertrauen, Sicherheit, Engagement. Manchmal kann Hoffnung sogar ein wenig verrückt wirken, der Heilige Paulus verwendete den Ausdruck „Hoffen wider alle Hoffnung“ (nach Röm 4, 18).

Die Hoffnung lässt uns den Blick heben hin zu einer besseren Zukunft und sie gibt uns den Mut und die Kraft, uns für diese bessere Zukunft einzusetzen, für eine neue Welt. In einem französischen Lied singen wir oft: „Träume von einer Welt, einer schöneren Welt, die wir gemeinsam bauen; Träume von einer Welt, von einer neuen Welt.“ Ja, die Hoffnung, das ist die Fähigkeit zu träumen von einer neuen Welt, und sie treibt uns, damit wir uns mit Leib und Seele einsetzen für diese neue Welt, für eine schönere und gerechtere Welt.

In der Region Afrika erleben wir oft Situationen, in denen wir versucht sein könnten, den Kopf hängen zu lassen, ein Vorhaben aufzugeben, alles aufzugeben. Aber es ist die Hoffnung, diese Flamme des Vertrauens und des Mutes in unserem Herzen, die uns rettet in diesen Momenten. Ich erinnere mich, wie wir in einer Zeit starker sozio-politischer Spannungen geplant hatten, mit einer neuen Gruppe von jungen Frauen zu beginnen, die ins Ausbildungshaus kommen wollten zur Einführung in das Leben als Missionarinnen Christi. Wir haben uns gefragt: Können wir es unter diesen Umständen wagen, sie zum Kommen einzuladen? Wir haben es gewagt und diese jungen Frauen sind heute Schwestern, die sich in ihrer Sendung voll engagieren. Es ist Anselm Grün, der in einem seiner Bücher, ich meine, es war in dem Band „Einreden“, schreibt: „Hoffen ist so tun als ob.“ In diesen  Worten finde ich mich voll wieder. Allem zum Trotz, was in unserer Gesellschaft passiert, der Unsicherheit, den Bedrohungen durch Krieg, allem, was uns entmutigen könnte, „tun wir so als“, planen unsere Tage, unsere Aktivitäten für das ganze Jahr. Wenn es die Situation rund um uns herum dann doch einmal verhindert, das Geplante zu verwirklichen, stellen wir uns auf diese neue Situation ein. Doch nie verlieren wir den Mut und wir geben nicht auf.

Mir scheint, dass das afrikanische Volk ein Volk ist, das die „Kraft der Hoffnung“ hat. Wir haben keine Angst vor der Zukunft, wir glauben fest daran, dass eine bessere Zukunft möglich ist. Die Hoffnung ist ein Anker in unserem Herzen, ein Anker, der uns fest sein lässt in der Gewissheit, fröhlich im Einsatz für die Veränderung und geduldig im Warten.

Sr. Edith Miti Manika MC


Sr. Edith Miti Manika MC hat Religionspädagogik studiert und trägt derzeit die Verantwortung für die Region Afrika als Regionalleiterin. Zudem unterrichtet sie am Interpostulat.