GEBET IN DIE NACHT

Unser Gebet in die Nacht, zu dem wir seit fast 40 Jahren im kirchenjährlichen Rhythmus des Advents und der österlichen Bußzeit einladen, konnte heuer nicht in der gewohnten Form stattfinden. Wir hatten euch darum eingeladen, am vergangenen Samstag, 28. November, um 19.00 Uhr von zu Hause aus mit uns zu beten und uns so miteinander zu verbinden. Wer nicht dabei sein konnte, den laden wir nochmals herzlich ein, zum Download steht hier der Ablauf des Gebets in die Nacht für Sie bereit.

„Der Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.“
Dieser Ausspruch von Alfred Delp, den er mit gefesselten Händen im Gefängnis von Berlin/Tegel geschrieben hat, passt dieses Jahr nicht nur für den Advent, sondern weit darüber hinaus auch für die Erfahrungen der zurückliegenden Monate. Die Covid-Pandemie hat unser bisheriges Lebensgefühl, in dem wir glaubten, alles haben zu können, alles machen zu können, alles im Griff zu haben, tief erschüttert. Sie hat uns als einzelne wie auch als Gesellschaft, weltweit, in nahezu allen Bereichen und Institutionen, getroffen. Vieles Geplante und Organisierte konnte nicht stattfinden, musste abgesagt werden.
Wir wurden ein Stück zurückgeworfen auf uns selbst und mussten vielleicht sogar schmerzlich erleben, was wirklich fehlt oder was eigentlich wichtig ist.

Auch die Advents- und die Weihnachtszeit wird heuer anders sein als in den vergangenen Jahren. Wie, das lässt sich nicht richtig planen. Ob aber nicht genau diese Unplanbarkeit zum Advents- und Weihnachtsgeschehen gehören? Das Kommen Gottes lässt sich nicht in den Terminkalender eintragen. Gott kommt unvermutet, überraschend, plötzlich … „Bleibt wach, seid wachsam!“ so ruft uns das Evangelium zum ersten Adventssonntag auf. Es geht nicht um eine kontrollierende Habachtstellung, sondern um das sehnsuchtsvolle Warten auf den Mensch gewordenen Gott, dem alles daran liegt uns seine überbordende Freude und Liebe zu schenken. Als liebender, heilender, befreiender Gott kommt er – immer und immer wieder, weil seine Treue, seine Geduld und seine Sehnsucht nach uns kein Ende hat.

In Verbundenheit wünschen wir Euch viele überraschende Momente der Gottesbegegnung – auch beim Kind an der Krippe. Im Namen der Schwestern im Generalat

Sr. Karolina Schweihofer