Monatsimpuls – Februar 2022

MEINE HOFFNUNG UND MEINE FREUDE

Ich gehe mit großen Schritten auf meine erste Bindung zu. Es wird meine erste zeitliche Bindung an Jesus Christus und an die Gemeinschaft der Missionarinnen Christi.

Ich freue mich auf dieses Fest und auf mein öffentliches Ja zu Gott und zu der Gemeinschaft und deren offizielles Ja zu mir.

Gleichzeitig habe ich auch viel Respekt vor diesem Schritt.

Ich verpflichte mich zur Nachfolge Christi und weihe ihm mein Leben. Zum Dasein für die Menschen, oder wie in unserem Charisma beschrieben, dazu Jesus in unserer Welt zu vergegenwärtigen. Zu einem Leben nach den evangelischen Räten.

Ich werde Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit um Jesu und seiner Botschaft willen geloben.

Dass ich mit all meiner Kraft und Liebe nach diesem Ideal leben möchte, ist ja keine Frage, aber deren Einhaltung in aller Öffentlichkeit und unter Zeugen zu geloben? Das ist schon eine große Sache.

In der Vorbereitung auf die Feier ging es auch um die Frage des Evangeliumstextes für den Gottesdienst. Und obwohl es da viele Stellen gibt, die mir sehr viel bedeuten, fiel meine Wahl recht schnell auf Lk 22, 31-34, eine Bibelstelle, die mich in den letzten Monaten begleitet hat und die mir gerade für den Beginn des Ordenslebens ganz wertvoll geworden ist.

„31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. 32 Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder! 33 Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 34 Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.“

Die Ankündigung der Verleugnung – hm – wohl eher kein Klassiker für Professfeiern. Was ist es also, was mein Herz weitet und höher schlagen lässt?

„Jesus sagt zu Simon: Wenn du wieder umgekehrt bist ...“

In diesen fünf Worten liegt meiner Meinung nach unglaublich viel Liebe, Weisheit, Realitätssinn, Menschenkenntnis und Zutrauen. Jesus weiß um die Verleugnung und geht davon aus, dass Simon umkehren wird.

Da klingt das Fallen, der Verrat fast nebensächlich. Jesus weiß um das Fallen, es ist keine Überraschung für ihn, ja, an dieser Stelle scheint es kaum der Erwähnung wert. Es gehört wohl zum Leben dazu. 

Vielmehr steht das Umkehren im Mittelpunkt, das sich immer wieder neu Ausrichten auf den Gott des Lebens und der Liebe hin.

Dadurch, dass Jesus die Verleugnung und das Umkehren ankündigt, bereitet er Simon nicht nur vor, sondern eröffnet ihm einen Weg zurück. 

„Jesus sagt: Ich bete, dass dein Glaube nicht erlischt.“

Wichtig scheint, dass der Glaube nicht erlischt. Der Glaube an Gott und seine Frohe Botschaft! Der Glaube an das Leben, das Gute, die Liebe, der Glauben an den barmherzigen Gott, der jeden einzelnen Menschen unfassbar liebt, unantastbare Würde schenkt und für jeden ein Leben in Fülle ersehnt. Der Glauben an den Gott der Treue und der Neuanfänge, an einen Gott, der jeden Weg mitgeht, und der in jeder Situation Hoffnung und Beistand zusagt.

Und dieser Glaube an das Leben und die Liebe darf nicht erlöschen! Es ist so existenziell, dass Jesus selbst dafür betet.

Dem armen Judas ist es vermutlich so ergangen. Er konnte nach seinem Verrat, zumindest in diesem Leben, nicht mehr an die Barmherzigkeit Gottes glauben, hat alle Hoffnung verloren und sein Leben beendet. Das ist unendlich traurig und ich vertraue einfach mal, dass Gottes Barmherzigkeit auch über den Tod hinaus gilt und Judas sich ihm letztlich doch noch zuwenden konnte.

Anders Petrus. Er hat, wie wir wissen seinen Glauben nicht verloren, sondern er ist nach seinem Verrat und nach bitterlichen Tränen umgekehrt und hat, wie von Jesus aufgetragen, seine Brüder gestärkt.

„Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!“

Jesus hat sicherlich für beide gebetet und es zeigt, dass Umkehr kein Selbstläufer ist, sondern dass es Selbsterkenntnis, Kraft, Mut und Vertrauen braucht – und unter Umständen viel Tränen kosten kann.

Ja, das Fallen gehört zum Leben dazu und viele Menschen leiden an ihren kleineren oder größeren Unzulänglichkeiten. Umso wichtiger, dass wir Menschen, den Glauben nicht verlieren, uns auf die Frohe Botschaft rückbesinnen und uns gegenseitig stärken.

Im Markusevangelium heißt es schließlich auch in der Antrittsrede Jesu, Mk 1,15:

 „Kehrt um und glaubt an das Evangelium, das Reich Gottes ist nah.“   

Jesus sagt eben nicht: fallt nicht, macht keine Fehler, kommt nicht vom Weg ab …. sondern kehrt um! Glaubt an die Frohe Botschaft! Glaubt an mich und meine Liebe.

In dieser Haltung kann ich gut und gestärkt meine erste Bindung und meine Gelübde ablegen.

Denn Jesus sagt auch zu mir: Ich bete für dich, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Schwestern und Brüder!

Ja, ich möchte mich in dieses Gebet Jesu einklinken und für mich und für uns alle beten, dass wir diesen Glauben an die Frohe Botschaft niemals verlieren. Und ich möchte meine Schwestern und Brüder, wo immer sie mir begegnen, stärken.

Das passt gut zu unserem Charisma, wenn es heißt, Christus vergegenwärtigen mit unserem ganzen SEIN. Also mit allem was zu mir gehört, mit Stärken und Schwächen, Fallen und Umkehren, mit meiner ganzen Sehnsucht, meiner Liebe und meinem Glauben.

In ein paar Wochen ist es soweit, darauf freue mich mich. Und ich bin dankbar für all die vielen Menschen, die  mich auf meinem eigenem Weg gestärkt haben und mich begleiten.

Missionarinnen Christi – für Glaube und Menschenwürde!

Sr. Anne Buchholz


Sr. Anne Buchholz, Novizin bei den Missionarinnen Christi