Monatsimpuls – August 2022

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (vgl. Gal 5,1)
Unter diesem Motto steht die 10. Generalversammlung der Missionarinnen Christi, die vom 31. Juli bis zum 19. August 2022 in München stattfindet. 27 Delegierte aus den drei Regionen werden aus den Gesprächen über den aktuellen Stand der Gemeinschaft Zukunftsperspektiven entwickeln. Außerdem wird eine neue Generalleitung für die kommenden sechs Jahre gewählt werden.
In einem der vorbereitenden Impulse schreibt Sr. Hildegard Schreier u.a. zur
„Freiheit und Dankbarkeit der Kinder Gottes“:
Das Bild von Gott, das die Bibel in vielen Bildern zeichnet, zeigt einen Gott, der die Menschen in die Freiheit führt. Sie ist mit der Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft verbunden – angefangen von der Verantwortung für die Schöpfung (Gen 1), über die Befreiung aus der Sklaverei (Ex 3ff.), die Bildung eines Gemeinwesens (Ri – 2 Chr), die Rückkehr aus dem Exil und den Neubeginn (Esra, Neh), bis zur Überzeugung, dass Gott in der Beziehung zu Jesus Christus die wahre Freiheit schenkt (Joh 1). In all diesen Erfahrungen taucht immer wieder der Wunsch auf, so sein zu wollen, wie die anderen und eben nicht das Geschenk der Freiheit der Kinder Gottes anzunehmen, sondern sich in Formen der Unfreiheit und der Abhängigkeit zu flüchten, die nicht dem Leben dienen.
Die Geschichten der Bibel erzählen Geschichten der Erwählung durch Gott – nicht um ein Privileg zu genießen, das mich über andere erhebt, sondern um Gott zu bezeugen und gemeinsam der Verbreitung des Reiches Gottes zu dienen. Paulus hat erkannt, dass die Fremdenliebe Jesu eine neue Art von Erwählung und Gotteskindschaft begründet hat: Die Heiden sind in ihrer Beziehung zu JHWH nicht länger abhängig vom jüdischen Gesetz, sondern gehören als Brüder und Schwestern Jesu gleichberechtigt zu Gott (s. Gal 4).
Aus der Freude über die befreiende Erwählung wächst auch der Wunsch, Gott dafür zu danken und etwas zurückgeben zu wollen. Rituale sind auch Versuche, diesen Dank in lebbare Formen zu bringen, z.B. in der Liturgie oder im Gemeinschaftsleben. Aber Rituale können sich verfestigen und erstarren.
Wir kennen das Bild vom Blut in den Adern: Wenn die Adern zu dünn und schwach sind, brechen sie auf, wenn sie verkalken und starr werden, kann das Blut nicht mehr fließen. Zur Freiheit berufen sein bedeutet auch, nicht starr zu werden, sich nicht festzuklammern an Gewohntem und Liebgewordenem. Freiheit bedeutet auch, bereit zu sein zum Aufbruch in die je größere Nähe Gottes, immer wieder neu bis zum letzten Aufbruch, der uns durch den Tod zum ewigen Leben führt.


Sr. Hildegard Schreier, Generalleiterin