Gründer Herz-Jesu-Missionar P. Christian Moser

Pater Christian Moser (1899-1961)

Der Gründer unserer Gemeinschaft war ein geachteter Pädagoge, ein geschätzter Prediger und Seelsorger. Pater Christian Moser hatte ein Gespür für wichtige Fragen seiner Zeit und nahm die Menschen mit ihren Freuden und Problemen ernst. Er war erschüttert von der „Macht der Finsternis“, wie er sie im Ersten Weltkrieg und in den Diktaturen von Nationalsozialismus und Kommunismus erfahren und wahrgenommen hatte. Aber auch den Materialismus des 20. Jahrhunderts erkannte er als Bedrohung für die Würde der Menschen.

Er sah es als dringlichste Aufgabe an, „die Welt zu Gott heimzuholen“ und ihr Jesus Christus, den Gesandten des barmherzigen und liebenden Gottes, als Licht der Welt zu verkünden. Er wusste, dass es dazu Männer und Frauen braucht, die im Bewusstsein der Gotteskindschaft Jesus Christus nachfolgen und ihm ihr Leben weihen. Ihn bewegte deshalb auch die Frage nach neuen zeitgemäßen Formen weiblicher Ordensgemeinschaften.


Zeitzeugendokument Sr. Beate Roger

Sr. Beate Roger

Ich durfte in meiner Heimatgemeinde Donauwörth unserem Gründer, Pater Moser,  begegnen. Er war ein nimmermüder Eiferer für die Sache Gottes. Ja, „die Sache Gottes braucht Begeisterte!“ – das steckt an!

Er hatte eine Vision für die Zukunft der Kirche, und seine Spiritualität reichte schon in die Horizonte des 2. Vatikanischen Konzils. Aus seiner tiefen Beziehung zu Christus erwuchs seine Missionsbegeisterung und sein rastloser Einsatz für die „Heimholung der Welt zu Gott“.

Schon um 1950 hat mich Pater Moser einmal gefragt: „Wie stellst Du Dir heute ein Ordensleben vor?“ In meiner Jugendlichkeit antwortete ich frisch drauflos: „Das Wesentliche muss bleiben; aber es gibt auch alte Zöpfe, die man abschneiden kann!”

Die Fragen „Ordensleben heute“ und „Mission“ als Antwort auf die Nöte der Zeit bewegten ihn sehr, und diese Bewegungen des Geistes drängten ihn zur Tat. Nach reiflicher Überlegung und Überwinden von inneren und äußeren Hürden sollte die langgehegte Vision von Pater Moser, eine missionarische Frauengemeinschaft zu gründen, konkrete Gestalt annehmen. Der Hilferuf um Schwestern aus dem 1955 von den Herz-Jesu-Missionaren übernommenen Missionsgebiet, damals Belgisch Kongo, kam seinem Vorhaben entgegen und konkretisierte den Beginn.

Am 1. Dezember 1956 haben wir fünf Frauen uns zum ersten Mal gesehen. Sr. Walburga Strobl (20 Jahre) und Sr. Magdalena Überall (16 Jahre) kamen aus der Ingolstädter Gegend. Sr. Claudia Kuen war 18 Jahre und kam aus Tirol. Sr. Luise Kiesewetter zählte 34 Jahre und ich 24 Jahre; wir beide kamen aus Donauwörth, wo Pater Moser in den Jahren 1948 bis 1953 Pfarrer und Schuldirektor war. Wir gingen in eine ungesicherte Zukunft, waren uns aber sicher, dass unser Beginn richtig ist. Keine hat je gezweifelt, dass aus diesem Anfang nichts werden könnte. Im Vertrauen auf Gottes Gnade und Führung haben wir uns auf diesen Weg eingelassen.

Pater Christian Moser hat uns in der Zeit von der Gründung bis zu seinem Tod im Jahr 1961 in Vorträgen und Predigten seine Vision, die Spiritualität der Missionarinnen Christi, dargelegt und uns aufgefordert, diese konsequent zu leben. Er wollte eine Ordensgemeinschaft, die Raum lässt zur persönlichen Entfaltung, damit jede ihren eigenen Weg zu Gott finden kann und wahrhaft frei ist für ein missionarisches Engagement zum Aufbau des Reiches Gottes. Es geht um das Erfassen des Christentums in seiner ganzen Tiefe, um das Sichtbarwerden Jesu Christi.

Miteinander haben wir uns auf diesen Weg eingelassen und zurückschauend wird es uns zur Gewissheit, dass Gott mit uns unterwegs war und ist jeden Tag aufs Neue.“

Sr. Beate Roger, eine der ersten Schwestern, über die bewegende Gründungszeit