Zusammenspiel – 08.12.20

Ich möchte an diesem hohen Marienfest eine Haltung Marias herausgreifen,  die für jeden gläubigen Menschen immer wieder zu einer Existenzfrage wird.

In der Lesung aus dem Buch Genesis begegnet uns, dass Gott nach dem Menschen fragt. Er ist ihm nicht egal. „Adam wo bist Du?“ Adam und Eva haben sich verändert: Sie sind Gott gegenüber misstrauisch. Ist es nicht das Misstrauen Gott gegenüber, das uns zu eigenmächtigen Kämpfern und Kämpferinnen für unser eigenes Glück werden lässt? Alleine gestellt auf uns, ohne weitere Referenz? So sind wir eine Quelle des Leides und schaffen Vielen Leid. Doch Gott gibt (uns) nicht auf; er handelt und verheißt, dass das Böse nicht siegen wird.

Im Evangelium treffen wir auf eine junge Frau, die ihre ganz realen Pläne für ihr Leben hat. Sie ist verlobt mit Josef, will eine Familie gründen. Josef wird als Gerechter bezeichnet, d.h. ganz auf Gott und seinen Willen ausgerichtet. In dieser Situation der „Familienplanung“ hat Maria eine tiefe Gotteserfahrung. Sie steht dem aber nicht naiv gegenüber, sondern testet ihre Erfahrung mit einer sehr konkreten und realistischen Frage: „Wie soll das geschehen?“ Und sie wird sich sicher, dass ihre Erfahrung kein Trugschluss ist, nein es ist ein Anruf. Für uns unbegreiflich, nicht fassbar, aber ihre Antwort ist eine des totalen Vertrauens. „Wenn es so ist, bin ich völlig in Gottes Hand“, würden wir heute vielleicht sagen. Diese Offenheit öffnet auch Gott den Raum, um wahrhaft unter uns zu sein. In dieser Spannung des Misstrauens – Vertrauens, auf sich gestellt sein – geführt werden stehe ich, stehen wir. So erfüllt mich das Fest mit Freude. Es ist für mich ein Fest des Zusammenspiels Gottes mit jedem Menschen. Eine wunderbare Einladung!

Sr. Paula Wuschitz MC

Mariä Empfängnis am 8.12. / Genesis 3,9-15 und Lukas 1, 26-38