Wirklich alles aufgeben? – 10.10.21

Als ich mich entschied, Missionarin Christi zu werden, wollte ich ein radikales Leben führen, alles Überflüssige hergeben, auf mir Liebgewordenes verzichten aus Liebe zu Gott.

Aber dann kam nach heldenhaftem Verzicht wieder Selbstmitleid hoch. Da meinte ich, ich hätte doch das Recht auf ein bequemeres Leben, ich müsste nicht um des Himmelreiches willen mit Menschen zusammenleben, die ich mir nie ausgesucht hätte, müsste nicht so vieles tun, was ich gar nicht so gerne tat. Ich müsste doch nicht so übertreiben. Vieles von dem, worauf ich anfangs verzichtet hatte, holte ich mir im Lauf des Lebens wieder zurück.

Jesus sieht es anders. Ein junger Mann kommt zu ihm und will in Gottes Reich kommen. „Was muss ich tun?“, fragt er. An die Gebote Gottes hat er sich immer gehalten. Jesus führt den Mann einen Schritt weiter: „Verkauf alles, was du hast, schenke dein Geld den Armen, dann folge mir nach.“

Damit trifft er ihn zutiefst. Das schafft er nicht, denn er ist sehr reich. Traurig geht er weg. Die Jünger erschrecken, weil Jesus sagt, dass es für Reiche sehr schwer ist, ins Reich Gottes zu kommen. Ja, sagt Jesus, für Menschen ist es sogar unmöglich, aber für Gott ist alles möglich. Mit Gott und um Gottes willen ist alles möglich.

Sr. Margarita Erlacher MC

28. Sonntag im Jahreskreis / Markus 10, 17-27