Weizenkornweg – 21.03.21

„Wir möchten Jesus sehen.“  So wie die griechischen Pilger, die von Jesus gehört hatten, nähern wir uns ihm an und fragen, wo und wie er ist. Und wie die Suchenden damals sind auch wir immer wieder verwirrt und unsicher, weil Jesus so anders als erwartet ist. Wir lernen ihn kennen: Er zeigt sich sicher, denn er weiß, dass jetzt die entscheidende Zeit da ist. Er ist erschüttert, weil die Entscheidung ihn in die schmerzvolle Lebenshingabe führt. Er ist klar, denn die Gottesstimme bestätigt seinen entschiedenen Hingabeweg.

Dieser Hingabeweg ist der Weg des Weizenkorns. Es bringt nur Frucht und mehrt sich zur Nahrung für Viele, wenn es sich selbstvergessen dem Wandlungsprozess überlässt. So sieht Jesus seine Aufgabe: Lebensbrot für die Vielen sein. Das Mit-Jesus-Gehen der Jünger führt sie – wie ihn – auf den Weizenkornweg der Lebenshingabe. Vom Apostel Thomas hören wir (Joh 11,16): „Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.“ Das erinnert an den jüdischen Ehespruch „Wo du hin gehst, da will auch ich hin gehen.“ Aus Liebe. Aus Freundschaft. Jesu Weg hat eine Anziehung, eine Wirkungsgeschichte. Auch wenn er nicht einfach ist und schon gar kein Frühlingsspaziergang. Im Vertrauen auf die Freundschaft mit Jesus und im Vertrauen auf die Wirkung, die aus der großzügigen Verschenk-Haltung kommt brauchen wir nicht ängstlich zu sein, wenn uns der Hingabeweg einen Preis abverlangt. „Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt. Wir leben füreinander und nur die Liebe zählt.“ Er hat es versprochen.

Sr. Christine Zeis MC

5. Fastensonntag / Johannes 12, 20-33