Was wird aus diesem Kind? – 20.06.21

Im liturgischen Jahr gibt es nur drei Geburtstagsfeste: Wir feiern den Geburtstag von Jesus, von seiner Mutter Maria und – von Johannes dem Täufer am 24.6. Und zwar als Hochfest! Die Liturgie gibt diesem Propheten die  Bedeutung, die er auch in den Evangelien hat. Der Evangelist Lukas hat in den Kindheitserzählungen ein besonderes Interesse daran, die Erzählungen von Verheißung und Geburt des Johannes mit denen von Verheißung und Geburt von Jesus zu verknüpfen und sowohl die Bedeutung des Johannes zu betonen als auch seine Unterordnung auf Jesus hin. Trotz der Hin- bzw. Unterordnung bleibt noch genug Wertschätzung für diesen besonderen Menschen Johannes, der später Prophet und Täufer genannt wird.

Angesichts aller Besonderheiten bei der Verheißung der Geburt durch den Engel, dem Verstummens des Vaters, der Empfängnis und Geburt durch die erst unfruchtbare und auch noch zu alte Elisabet, der Diskussion um die Namensgebung beim Beschneidungsfest und dem Heranwachsen des Johannes in Vorbereitung auf seinen Auftrag – da ist wahrlich Großes zu erwarten. Die Verwandten, Nachbarn und Bewohner der Gegend kommen aus dem Staunen nicht heraus, wundern sich, erschrecken sogar, besprechen die Sache und fragen sich: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Gott hat offensichtlich etwas vor mit ihm. Johannes wird gebraucht und bekommt seinen Auftrag als Wegbereiter und Vorläufer des Messias. Die Ahnung der Verwandten und Nachbarn bewahrheitet sich. Aus dem verheißungsvollen Kind ist ein großer Prophet geworden und Jesus hat höchste Wertschätzung für ihn…

Was wird aus diesem Kind? Das ist die nachdenkliche Frage für jedes neugeborene Menschenkind. Glaubend sagen wir: Gott hat Großes mit ihm vor, er liebt und braucht es und erfüllt es mit seinem heiligen Geist. Aus dieser Gotteskindschaft jedes Menschenkindes kommt die Würde und der Wert jedes einzelnen Menschen. Immer noch soll Großes aus jedem Menschen werden. Und immer noch ist mit Widerstand und Hindernissen, mit widrigen Umständen und fürchterlichen Bedingungen zu rechnen in dieser Welt voller Schrecklichem und Schönem. Gebe Gott, dass die neugeborenen Menschenkinder die nötigen Chancen für ihr Leben haben, damit sie – wie Johannes – erleben können: „Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark.“

Sr. Christine Zeis MC

24.6. Geburt des hl. Johannes des Täufers (Hochfest) / Lukas 1, 57-66.80