Wachsame Türhüter – 29.11.20

Das heutige Evangelium zum 1. Advent ist wie ein Weckruf an uns alle: „Gebt Acht und bleibt wach, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist, wann der Hausherr kommt!“ Miteinander acht geben und wach bleiben für wessen Kommen?

Papst Franziskus spricht in seiner Enzyklika „Laudato si“ von unserem gemeinsamen „Schöpfungshaus“, das uns anvertraut ist. Hausherr ist Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde. Wir werden aufgerufen, auf sein Kommen zu warten, auch wenn wir gleichzeitig glauben dürfen, dass er immer schon da ist.

Silja Walter (1919-2011) schrieb in einem ihrer Gedichte: „Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn du kommst. Jemand muss dich erwarten, unten am Fluss vor der Stadt. Jemand muss nach dir Ausschau halten Tag und Nacht. Wer weiß denn, wann du kommst? Wachen ist unser Dienst, Wachen. Auch für die Welt.“

Es ist der wartende Blick auf den Herrn der ganzen Schöpfung und das Erwarten, dass Christus kommt. Es ist die Erwartung einer Begegnung. Es ist der Weckruf zu einer Liebesbeziehung. Wann wird es sein? Ich kann dabei an meine Todesstunde denken, aber genauso an den jetzigen Tag. Ich kann Advent feiern in diesem Jahr und mich bereithalten für das Weihnachtsgeheimnis, für Gottes Geburt in uns hier und heute. Oder ich kann meine ganze Lebenszeit als eine adventliche Zeit der Erwartung auf Gottes Kommen hin ausrichten.

In diesem Jahr, in dem wir weltweit von der Coronapandemie betroffen sind, sind wir aufgerufen, aufmerksam auf Abstand, Mundschutz, Kontaktbeschränkungen etc. zu achten. Vielleicht ist die Erfahrung mit der Pandemie eine Herausforderung, wachsamer zu werden auf Wesentliches in den Beziehungen zu Gott, zu anderen Menschen, zu mir selbst, zur Schöpfung.

Mir persönlich sind folgende die Fragen wichtig: Wie erlebe ich mich in meiner Wachsamkeit für tiefere Lebensimpulse in mir? Worin verspüre ich eine Gefährdung, mich einschläfern zu lassen? Bin ich eine liebende Wartende auf das Kommen Gottes? Er braucht keinen Abstand, keinen Mundschutz, keine Kontaktbeschränkung! Er will kommen. Will ich auch?

Sr. Maria Hofmann MC

1. Adventssonntag / Lesejahr B: Markus 13, 33-37