Vorschriften zum Leben? – 29.08.21

Über Vorschriften und Traditionen lässt sich sehr gut streiten. Nicht selten ist ein schlagendes Argument: „Das war schon immer so“. Ja, was gibt es da noch zu sagen?

Ähnliches geschieht im Evangelium von diesem Sonntag. Die Schriftgelehrten und Pharisäer mahnen bei Jesus und seinen Anhängern die Einhaltung der überlieferten Vorschriften an. Jesus lässt sich auf dieses Streitgespräch ein. Er erklärt die Vorschriften nicht für ungültig, doch er fragt nach dem tieferen Sinn.

Das Anliegen der religiösen Vorschriften war die Heiligung des Alltags. Im Alltag meines Lebens, in meinem Tun und Sein, Gott durchscheinen zu lassen.  Eine große  Herausforderung wie mir scheint. Im Umgang mit dieser Herausforderung  entwickeln sich im Laufe der Zeit oft Handlungen und Vorschriften, die zunächst als Hilfestellung gedacht sind. Leider haben sie häufig die Tendenz,  sich zu verselbständigen und damit den tieferen Sinn zu verlieren. Im Streitgespräch weist Jesus darauf hin. Er lädt ein, den Blick zu weiten und das ursprüngliche Anliegen, nämlich Gottes Präsenz in meinem Leben, sichtbar werden zu lassen, wieder ins Bewusstsein zu heben. Ein Anliegen, das für uns in heutiger Zeit nichts an Aktualität verloren hat.

Sr. Theresia Hoiß MC

22. Sonntag im Jahreskreis / Markus 7, 1-8.14-15.21-23