Vom Zweifeln zum Schauen. Grenzgänger. – 11.04.21

Die Jünger waren wieder versammelt. Thomas war nicht dabei als die anderen den Auferstandenen erfahren haben; deshalb zweifelt er. Zu unserem Glück! So sind wir Menschen – und so dürfen wir sein: Zweifler und Zweiflerinnen. Genau da holt Jesus den Thomas ab. Er geht auf ihn zu und zeigt ihm seine Wundmale, ja er lässt sich von ihm dort berühren. Und Thomas kann glauben: Mein Herr und mein Gott! Mir kommt dieses Geschehen zwischen Jesus und Thomas wie ein „Zeitraffer“ vor.  Den Weg vom Zweifeln zum Glauben bis zum Schauen gehen auch wir. Immer wieder und immer neu und tiefer.

Angestoßen durch einen Vortrag, habe ich mich viel mit dem Phänomen Nahtoderfahrung beschäftigt. Vor allem hat mich die Frage interessiert,  was eine solche Erfahrung für das Weiterleben im Hier bedeutet. Diese Menschen, die davon berichten, haben keine Angst mehr vor dem Sterben und vor dem Tod. Sie haben etwas geschaut, was die meisten von uns noch nicht sehen können. Sie haben eine Grenze überschritten und glauben nicht nur, sie wissen: Es gibt dieses Leben nach dem Tod.  Und es gibt bereits eine „globale Vernetzung“ im geistig-geistlichen Bereich. Das Zuhören und Nachfragen, das Nachdenken über das Gehörte und Gelesene hat meinen Glauben an die Auferstehung gestärkt. Ich spüre, dass das kontemplative Gebet, das Dasein in der Stille vor Gott, mich auch zu einer solchen „Grenzgängerin“ machen kann.

Das Folgende dürfte eine in dieser Weise erfahrene Person geschrieben haben. Leider ist mir ihr Name unbekannt:

Der Grenzgänger

Bin hier daheim und bin es nicht.

Oft geh ich in das Drüben,

wo mich der weite Himmel packt.

Da schau ich mir die Taschen voll.

Und kehr ich wiederum zurück,

so bin ich es und bin es nicht.

Das Drüben steckt mir im Gewand.

Autor unbekannt

Sr. Juliane Lintner MC

2. Sonntag in der Osterzeit / Johannes 20, 19 -31