Unfassbar leidenschaftlich – 30.05.21

Während einer Zugfahrt erlebte ich einen höchst anspruchsvollen interreligiösen Dialog. Der Sitznachbar vis-à-vis, ein muslimischer Geschäftsmann, hatte Schwierigkeit mit den „drei göttlichen Personen“. Der Sitznachbar neben mir, ein offenbar theologieaffiner Musikologe, versuchte zu erklären: „Das ist wie mit den 99 Namen Allahs. Man kann Gott nicht erfassen und definieren, doch versucht man ihn trotzdem zu verstehen und mit verschiedenen Namen anzurufen.“

So ein kleiner Versuch war es auch mit dem Bild der Rose. Im Religionsunterricht an unserem von Methodisten gegründeten Musikgymnasium in Seoul erklärte die Lehrerin folgendermaßen: Gott der Vater ist wie die Wurzel der Rose, alles tragend und doch geheimnisvoll verborgen. Für den Sohn steht alles Sichtbare an der Rose, also Zweige, Blätter, Dornen und Blume. Der Geist sei zu vergleichen mit dem Duft der Rose.

Beim eingangs erwähnten Dialog in der Bahn setzte ich mich für den Mensch gewordenen Gott und die Dimension seiner „persön“-lichen Liebe ein. Jesus, der sichtbar gewordene Gott. Gott Vater, der Schöpfer und Erhalter allen Lebens, unfassbar wie der Ozean für einen Fisch darin. Und die unsichtbare Essenz, der Geist, die Liebe: Die Liebe des Vaters, die Liebe des Sohnes, die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, die Liebe der Beiden für uns Menschen und die ganze Schöpfung. Liebe, die uns leben lässt. Liebe, die uns lieben lässt.

In der Betrachtung der Menschwerdung im Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola beraten die drei „Personen“ miteinander, wie die Menschheit zu retten sei. Diese „Krisensitzung“ führt dazu, dass der Sohn bereit ist, in die Welt gesandt zu werden. Nach Erfüllung seiner Mission und Heimkehr zum Vater wird uns der Beistand Geist quasi als sein „Erbe“ zugesprochen. Wenn dieser liebend Gott unser Leben trägt und bewegt, wird unsere Präsenz schon eine Mission, wir können ihn vergegenwärtigen. Immer ein kleines Stück, aber praktisch überall.

Sr. Joanna Jimin Lee MC

Dreifaltigkeitssonntag