Ruhen in der Bewegung Gottes – 02.05.21

„Bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ (Joh 15,7b) sagt uns Jesus. Wer von uns kann aber behaupten: „Alles, was wir erbaten, empfingen wir von ihm“ (1 Joh 3,22a)? Uns mündigen Christen un Christinnen ist doch klar: Wir dürfen das Gebet nicht instrumentalisieren, um bloß den eigenen Willen durchzusetzen. Da wäre eine Enttäuschung vorprogrammiert. Noch schlimmer, wenn man sich deshalb von Gott abgestoßen fühlt, weil man sich ein falsches Bild von ihm gemacht hatte.

„Der Tugendhafte betrachtet den Willen des Himmels als sein Glück.“ wurden wir Kinder in Südkorea in der Ethik-Stunde unterrichtet. Diese ostasiatische Maxime wäre mit „Dein Wille geschehe“ des Vater Unser vergleichbar. Die „Tugend“ besteht aber sicher nicht nur in Verkraften der Enttäuschung oder gar Eliminieren des eigenen Willens. Vielmehr sind wir gefragt, am „Willen des Himmels“ teilzuhaben und teilzunehmen.

In Beziehung mit Jesus zu bleiben und somit fruchtbar zu sein – das bleibt nachhaltiger Nährstoff aus meinen Exerzitien im zweiten Noviziatsjahr. Für den alten weisen Pater Piet van Breemen war dies ein besonders wichtiges Anliegen zum Mitgeben. Damals hatte das Wort ‚Fruchtbarkeit in Sendung‘ für mich als Novizin noch etwas futuristischen Geschmack. Doch der Merksatz „Sendung ist Ruhen in der Bewegung Gottes“ liegt immer noch an einem zentralen Ort meines Zimmers auf. Früchte darf ich tragen, wenn die Zeit reif ist, manchmal ertragreicher als jemals gedacht. Gereinigt werde ich, wenn meine Motivationen Ordnung braucht. Und dass ich genug bekomme zum Wachsen und Blühen, darauf kann ich vertrauen. ER ist, der mit mir in Beziehung bleiben will. Das gibt mir eine Lebensgrundlage, in der ich ruhen kann und woraus ich mich bewegen lasse. So nehme und habe ich teil an seinem erlösenden, heilbringenden Geschehen. Und so darf ich um alles bitten, was ich will – ER wird das Nötige geben.

Sr. Joanna Jimin Lee MC

5. Sonntag in der Osterzeit / Johannes 15, 1-8