Mit aller Achtsamkeit – 07.02.21

Die erste Sinneswahrnehmung, die ein Mensch in seinem Leben erfährt, ist Berührung. Jede seiner Hautzellen reagiert auf taktile Reize und er lernt am Du, sich selbst als leibhaftes Wesen zu spüren. Ohne liebevolle Berührung kann kein (kleiner) Mensch überleben und sei er noch so gut mit Nahrung und Wärme versorgt.

Wie tiefgreifend weh tut da jede Form von Missbrauch, die diese grundlegendste Fähigkeit und Bedürftigkeit des Menschen verletzt. Als Seelsorgerin und Missbrauchsbeauftragte für vier Kindergärten und vier Horte erlebe ich eine neue und wachsame Sensibilität für die Themen Berührung und Nähe, unterstützt von Richtlinien für Prävention und Verfolgung von Straftaten.

Lernen sollten wir auch von verschiedenen Schulen der Achtsamkeit und einem Meister der Achtsamkeit: von Jesus. An seinen Heilungsgeschichten fasziniert mich immer wieder neu seine behutsame  Vorgehensweise, die niemals den Raum und die Grenze des Anderen überschreitet. Seine Art der Berührung richtet den Menschen auf: „Jesus ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf“. So geschieht Heilung am Beispiel der kranken Schwiegermutter des Petrus in einem sehr umfassenden Sinn, geht es doch um mehr als um die Linderung von psychischen oder  körperlichen Störungen. Es geht um die Begegnung mit Gottes heilender Nähe, der sich Jesus mit Leib und Seele zur Verfügung stellt und die er selbst verkörpert.

„Eure Hände sind euer Herz“, so sagt es Herta Richter, in deren Schule ich die Atem-Behandlung erlernen durfte. Dieses Wort mag ich sehr, weil es ein Schlüssel ist für achtsame Berührung.  Aus der von Gott bewohnten Mitte, dem Herzen heraus handeln. So wird menschliche Berührung  zur Berührung von Ihm. Denn Gott hat keine anderen Hände als die unseren. Welche Würde und welche Verantwortung!

Sr. Mareile Hartl MC

5. Sonntag im Jahreskreis / Markus 1, 29-39