Mehr an Leben – 01.11.21

Wenn wir Menschen ermunternd, tröstend, manchmal sogar heilend oder versöhnend begegnen können, erleben wir dies oft als Geschenk. Jesus nennt in seiner Bergpredigt alle Menschen selig, die arm, trauernd, friedfertig, barmherzig, hungernd und dürstend nach Gerechtigkeit sind. Als er die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg, setzte sich und nahm sich ihrer an.

In der Begegnung mit Menschen, die im Schatten des Lebens sind, kann meine „Schutzmauer“ durchlässiger werden und meine Seele bis in die Tiefen hinein angerührt, bewegt, hinterfragt und gereinigt werden. Durch diese Begegnungen nähere ich mich dem göttlichen Feuer. Die Begegnung mit bedürftigen Menschen bringt mich und uns in Bewegung, etwas zu unternehmen für diese konkreten Personen. Das wird derzeit besonders deutlich in der großen Hilfsbereitschaft der vielen Menschen, die den in Not Geratenen beistehen. In dieser Bewegung kann das „Mehr an Leben“, das Heilige entdeckt werden. Vieles fällt plötzlich weg, was des Schutzes bedurfte – oder es ist einfach nicht mehr so wichtig. Neue Freiheit entsteht. Begegnung wird möglich, indem ich mich den menschlichen Bedürfnissen in mir und im anderen zuwende.  Das Leben mit Menschen, die in den Seligpreisungen das „Mehr an Leben“ erwarten, kann in mir neue Prioritäten setzen und meinem Leben ein Ziel geben. Gemeinschaft wird möglich, denn das Heilige ist mir nahe.

Sr. Maria Fokter MC

Hochfest Allerheiligen, Mt 5,1-12a