Inklusion in Christus – 14.02.21

„Jesus hatte Mitleid mit ihm, streckte seine Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es, werde rein. Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann wurde rein“…

Aussatz bedeutete zur Zeit Jesu nicht nur die nach damaligem Wissensstand verständliche Notwendigkeit, Regeln zum Infektionsschutz einhalten zu müssen,  sondern war für die Betroffenen vor allem auch eine moralische Abwertung. Aussätzige waren ausgeschlossen aus dem Kreis der Gemeinde und der Gesellschaft. Sie gehörten nicht mehr dazu, wurden als unrein erachtet oder als solche, die gesündigt hatten. 

Jesus aber lässt sich von ihrer Lage berühren. Sein Herz leidet mit. Gegen die Fremdheit, Urteil und Angst stellt er sein Wahrnehmen und Hinschauen, gegen jede Form von Abwertung ihrer Person seine Zuwendung. Er  handelt inklusiv. 

Seit 2009 schon ist das Recht auf Inklusion in unserem Land gesetzlich verankert und als Menschenrecht definiert. Dieses Recht meint dabei nicht nur Integration in schon Bestehendes, sondern fordert echte und gleichberechtigte Teilhabe. Jede(r) soll da sein dürfen und in Würde respektiert sein. Wie weit sind wir oft von diesem Bewusstsein entfernt!

In meiner Zeit als Seelsorgerin für blinde Menschen ist mir  bewusst geworden, mit wie vielen Barrieren Sehbehinderte täglich zu kämpfen haben. Aber Inklusion betrifft noch viel mehr als die zehn Millionen Menschen mit Behinderung in unserem Land. Wer ist nicht noch alles mehr oder weniger benachteiligt ? Psychisch kranke Menschen, Menschen mit geringem Einkommen, Alleinerziehende, Menschen mit einer für andere ungewohnten Sexualpräferenz, Migranten… die Liste ist lang. Inklusion heißt für mich im Sinne Jesu, genau dorthin zu gehen, wo die  vermeintlich Anderen sind, an die Ränder: bedingungslos, leidenschaftlich, mit offenen Händen und auch mit wacher Sorge, weil Gottes Reich im Wesen nur inklusiv sein kann.

Im Tagesgebet zum Evangelium von diesem Sonntag heißt es: Gott, du liebst deine Geschöpfe, und es ist deine Freude bei den Menschen zu wohnen.

Lassen wir diese Wirklichkeit in unser Herz? Für wirklich alle?

Sr. Mareile Hartl MC

6. Sonntag im Jahreskreis / Markus 1, 40-45