Hinein in die Welt! – 16.05.21

Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.” Wer diese für das Johannes-Evangelium typische Distanz zur Welt allzu eindimensional nimmt, dem kann die Kirche vorkommen wie ein Verein der weißen Raben in der bösen, bösen Welt. Ja, es stimmt leider, dass viel Schlimmes in der Welt passiert. Tatsache ist aber, dass auch wir ein Teil des Systems sind. So leicht können wir uns von der Welt nicht ausnehmen lassen, selbst wenn wir uns bemühen und Gleichgesinnte suchen, um wenigstens nicht so widerstandslos mit zu schwimmen in jedem krankmachenden System.

Zugegeben, das klingt alles ziemlich düster. Da sollten wir auch auf die andere Dimension der Welt-Rede aufhorchen: “Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.” Im selben Johannes-Evangelium hieß es schon im 3. Kapitel: “Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…” Diese unsere Welt ist also der Ort des Heilgeschehens. Hier ist, wo Gottes Handeln heute wahr(genommen) werden will. Da sind die Menschen seiner Liebe, die diese Liebe weiter schenken und teilen mögen – unabhängig von Sprache und Konfession.

„Geht hinaus in die Welt! Geht hinein!“ muss unser Gründer, Pater Christian Moser, in einem Atemzug gesprochen haben. Ja, wir dürfen uns immer neu von Gott in die Welt gesandt wissen, wo wir gerade sind. Hinein mit Gottes Leidenschaft für das Heil dieser Welt. Hinaus mit seinem Licht, das jedes Dunkel erhellt. Möge dieses Licht das „System“ unserer Welt ein Stück aufhellen – auch durch Sie und mich.

Sr. Joanna Jimin Lee MC

7. Sonntag der Osterzeit / Johannes 17,11-19