Heimkommen – 18.07.21

Nach einem anstrengenden Tag endlich heimkommen, ausruhen, „chillen“ – und schon läutet wieder das Telefon. Wer kennt das nicht in unserer hektischen Welt, in der man nach Möglichkeit immer erreichbar sein sollte. Da hilft es nur, das Telefon mal auszuschalten oder gar wegzufahren, einen stillen Tag zu machen usw. Und selbst da hat man nicht immer seine Ruhe. So erging es auch den Jüngern Jesu. Die Leute überrannten sie. Was suchten sie bei Jesus und seinen Jüngern?

Das Mitleid Jesu, von dem berichtet wird, bezieht sich nicht nur auf ihre leiblichen Beschwerden. Er sah ihre geistige, seelische Not, die Orientierungslosigkeit, „die Verwirrung der Geister, die Zerstörung der Gewissen“, wie es P. Christian Moser, der Gründer unserer Gemeinschaft, bezeichnet hat.

Mich hat an dieser Bibelstelle immer verwundert, dass es nicht heißt und „Jesus heilte sie“, sondern „er lehrte sie lange“.  Das hat mich als Religionslehrerin und Seelsorgerin besonders angesprochen. Aber es geht hier nicht in erster Linie um eine berufliche, professionelle Tätigkeit. Auch die Menschen heute suchen nicht die Fachfrau, die Theologin in uns, sondern den Menschen, der „etwas erfahren  hat“, wie es Karl Rahner ausgedrückt hat. Das heißt nun nicht, dass wir pausenlos ansprechbar sein müssen. Wir müssen selber immer wieder aus der Quelle schöpfen, die wir anderen zugänglich machen wollen. Wir dürfen selber immer wieder „heimkommen“, ausruhen, auftanken, bei Ihm sein in der Stille, mit seinem Wort. Um solche Zeiten sicher zu stellen, kann es hilfreich sein, sich eine Struktur, einen Rhythmus zurecht zu legen, die solche Zeiten des „Heimkommens“ ermöglichen. Wie ist mein Rhythmus?

Sr. Paula Bickel MC

16. Sonntag im Jahreskreis / Markus 6, 30-34