Großzügig und aufrüttelnd – 26.09.21

Die Jünger sind in aufgeregter Stimmung: Jemand hat im Namen Jesu Dämonen ausgetrieben, und sie haben versucht, ihn daran zu hindern, „weil er uns nicht nachfolgt.“ „Uns“ – sie identifizieren sich sehr mit dem Anliegen und dem Handeln ihres Meisters. Aber vielleicht treiben sie es mit ihrem Eifer und mit ihrem guten Willen doch ein wenig zu weit.

Jesus bleibt jedenfalls ruhig und relativiert ihre Aufregung. Er rückt die Urteile seiner Freunde zurecht, die Kategorisierungen, wer sich Jünger nennen darf und wer nicht: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Wie wunderbar – Jesus hat keinen Exklusivitätsanspruch, und er zieht seine Kreise weit. Er ist großzügig, wenn es darum geht, wer sich im Namen Gottes für das Leben einsetzen darf.

Ich denke bei dieser Stelle an Papst Johannes XXIII., der seine Enzyklika „Pacem in Terris“ an „alle Menschen guten Willens“ adressiert hat. Spätere Päpste haben es ihm nachgemacht und haben ebenfalls alle Menschen guten Willens als Partner und Partnerinnen angesprochen; alle Menschen, die sich für unsere Erde und für das Leben einsetzen.

Und schließlich kommen in diesem Evangelium bei Jesus noch eine Portion Humor und eine deftige Übertreibung dazu: Hau die Hand und den Fuß ab, reiß dein Auge aus. Besser so ins Reich Gottes als ins Verderben. Es ist ja schwer vorstellbar, dass Jesus seine Mitmenschen tatsächlich einbeinig, einhändig und einäugig durchs Leben gehen sehen will. Seine Übertreibung will aufrütteln.

Das Evangelium heute lehrt mich die Kunst des Humors und des Relativierens, und zugleich lehrt es mich die Kunst, gemeinsam mit anderen das Entscheidende in den Blick zu nehmen.

  • Wie geht es mir mit dieser Großzügigkeit Jesu?
  • Wo gibt es mir gerade ein Lernfeld der Großzügigkeit und des Relativierens?
  • Wo begegne ich anderen Menschen guten Willens? Was verbindet uns?

Sr. Christine Rod MC

26. Sonntag im Jahreskreis / Markus 9,38–43.45.47–48