Gottes Dienst und Gott dienen – 07.03.21

Der Ort dieses Evangeliums ist das Zentrum Jerusalems und das Zentrum der Identität des Volkes Israels. Der Tempel ist der Ort der Gegenwart Gottes und der dort praktizierte Opferkult ist sozusagen Grundgesetz des Bundesvolkes. Genauer gesagt befinden wir uns nicht im Tempel, sondern in den Außenbezirken, in der Königlichen Halle, auch Vorhof der Heiden genannt. Hier ist üblicherweise viel Betrieb: Es wird diskutiert, beraten, es finden die Vorbereitungen für die Opfer statt, hier können die nötigen Dinge für den Opferkult erworben werden, hier kann die Geldwährung des Römerreiches in die gültige Währung für die Tempelsteuer getauscht werden.

Hier hat Jesus einen provokativen Auftritt und dieser ist wohl als prophetische Zeichenhandlung zu sehen: eine Frontalkritik am Tempelgottesdienst. Das haben Propheten immer wieder mal gemacht im vollen Bewusstsein des Risikos. Wer so provoziert, der weckt Freund und Feind auf, der muss mit Gegenangriff rechnen. Darf Jesus das? Das Johannesevangelium zeigt uns einen sehr selbstbewussten, d.h. seiner Sendung und Autorität bewussten Jesus. Wissend was er tut, stellt er der Pracht des Tempelopfers seine schlichte Lehre entgegen. Voller Eifer und ohne sich zu schonen stellt er der Opferkultpraxis die Umkehr zum wahren Gottesdienst entgegen. Der wahre Gottesdienst ist der Dienst Gottes an seinem Volk: Gott rettet, Gott erlöst. Zu diesem vertrauenden Glauben lädt Jesus ein. Die angemessene Antwort darauf ist, den Willen Gottes zu tun, indem wir den Menschen dienen und gut und gerecht an allen handeln. Es regt Jesus auf, dass dies aus dem Gleichgewicht geraten ist. Jesus will Umkehr zur Liebe; dafür steht er ein.

Überprüfen wir unsere Motivation: Dienen wir Gott und seinem Willen für die Welt mit all unseren Kräften? Feiern wir in unseren liturgischen Versammlungen dankbar den erlösenden Dienst Gottes an uns? Lassen wir uns stärken für unsere Sendung? Gott dient uns und nimmt uns in Dienst für andere.

Sr. Christine Zeis MC

3. Fastensonntag / Johannes 2,13-25