Freie Entscheidung – 22.08.21

Enttäuschungen kennen wir alle. Manchmal sind sie notwendig, um klarer zu sehen, doch schmerzvoll sind sie allemal. Enttäuscht stelle ich mir die Menschen vor, die zuerst begeistert mit Jesus gegangen sind, die sich erfreuten an seiner machtvollen Sprache, seinem Tun. Und jetzt? „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (Joh 6, 60) Hier spricht deutlich die Ablehnung heraus. Doch Jesus nimmt nichts von seinem Gesagten zurück.

Auch als die Menschen von ihm weggehen, versucht er nicht sie aufzuhalten – im Gegenteil. Er stellt seinem engeren Jüngerkreis die Frage: „Wollt auch ihr weggehen?“(Joh 6,67) Er gibt sie frei und fordert gleichzeitig ihre Entscheidung heraus. Die Jünger sind gefordert, ihre eigenen Motive zu überdenken und mit Jesus zu gehen, weil sie es selber wollen, aus eigenem innerem Antrieb, aus eigener freier Entscheidung. In diese Freiheit sind auch wir gestellt. Und meistens ist es nicht mit einer einzigen großherzigen Entscheidung getan. Gefordert sind die alltäglichen Kleinigkeiten, die aufzeigen wes Geistes Kind wir sind. Ich brauche dazu immer wieder Zeiten der Stille und des Gebetes: um mich wieder auszurichten, um im alltäglichen Vielerlei nicht unterzugehen. Frei und entschieden leben.

Sr. Theresia Hoiß MC

21. Sonntag im Jahreskreis / Johannes 6, 60-69