Feurige Zeugenschaft – 23.05.21

Was für ein Gefühl steigt Ihnen hoch, wenn Sie an die Pfingstszene denken? Ein plötzliches Brausen vom Himmel her, ein heftiger Sturm zugleich. Und das in einem Haus, in jener Kammer, wo sie sich schon länger eingeschlossen hatten…

Als Kind hatte ich dazu eine Malvorlage. Über jedem der Apostel und der Mutter Gottes waren Feuerzungen vorgesehen. Feuer in Form von Zungen – also waren sie feuerrot zu malen, ist doch klar. Was einem Kind so klar war, wurde dann nicht mehr so verständlich: Wie wirkt denn der Heilige Geist? Wo sein Brausen, wo sein Sturm? Und schließlich die sogenannte Zungenrede – Wo ist so etwas zu erleben in unserem Glaubensleben? Alles Anzeichen des fehlenden Heiligen Geistes? Erst mit der Zeit darf ich immer tiefer erfahren, dass der Heilige Geist vielmehr nüchtern, sanft und ‘vernünftig’ sein kann als laut, dramatisch und gewaltig.

Als der auferstandene Jesus seinen Jünger*innen den Heiligen Geist verspricht, wünscht er ihnen mehrmals Frieden und haucht ihnen seinen Atem an. Diesen Atem empfangen wir, wenn wir den Heiligen Geist in unser Leben hereinlassen, uns von ihm führen lassen. Wie Adam bei der Schöpfung werden wir zum neuen Leben angehaucht und werden fähig zum Leben und Lieben zur Ehre des Vaters.

Der Geist muss sich als ein gewaltiges ‘Feuer’ in ihre Herzen niedergelassen haben, so dass die Jünger*innen voller Überzeugung und ohne Furcht ihren Meister bezeugen konnten. Wie mit vereinten Kräften liefen sie hinaus, um von Jesus zu reden, Gottes Leidenschaft für uns. Doch sie sprachen verschiedene Sprachen – genau passend und verständlich für jede Hörerschaft.

Heiliger Geist, komm und erfülle unsere Herzen mit deiner Leidenschaft für diese Welt und mache uns zu glaubwürdigen Zeug*innen deiner Liebe!

Sr. Joanna Jimin Lee MC

Pfingstfest / Johannes 20, 19-23  und  Apostelgeschichte  2, 1-11