Eine neue Familie – 06.06.21

Jesus hat es wirklich nicht leicht. Seine Angehörigen wollen ihn mit Gewalt stoppen, weil sie meinen, dass er übergeschnappt sei. Und die Jerusalemer Schriftgelehrten werfen ihm gar vor, er sei vom Teufel besessen. Harte Unterstellungen. Aber Jesus ist kein Weichling. Er stellt sich und stellt sich hin. Er fordert zur Stellungnahme heraus. Er argumentiert. Er provoziert. Wer sich so verhält, bekommt nicht nur Zuspruch. Widerspruch ist vorprogrammiert: Familienkonflikte, Wertekonflikte, Glaubenskonflikte, Autoritätskonflikte sind da und werden sich noch zuspitzen. Der Weg Jesu in die tödliche Entscheidung von Jerusalem fällt nicht vom Himmel, sondern hat eine Geschichte im Auftreten und im Verhalten Jesu.

Widerspruch und Zuspruch bekommt Jesus. Es ist offensichtlich, dass sich an ihm die Geister scheiden. Jesus möchte eine Entscheidung provozieren: ein entschiedenes Leben für Gott und seinen Willen. Dies wird das entscheidende Kriterium für die neue Zusammengehörigkeit. Die Gebundenheit durch Geburt wird aufgelöst. Es entsteht eine neue Verbindung: die neue Familie Jesu sind die, die den Willen Gottes erfüllen. Da können dann auch seine Mutter und die anderen Familienangehörigen gerne dazu kommen; sie sind aber nicht automatisch dabei.

Während meiner unruhigen Such- und Entscheidungszeit hatte es meine Familie mit mir nicht leicht. Sie konnten nicht nachvollziehen, wie mich die Suche nach dem „Mehr“ in meinem Leben und nach dem Platz für meine Berufung so umtreiben konnte. Sie machten sich Sorgen. Aber mich hat dies nicht beirrt und ich habe weiter gesucht und endlich gefunden. Längst schon akzeptieren sie meinen Weg und sind froh, dass ich in meiner Gemeinschaft meine „neue Familie“ gefunden habe. Ganz selbstverständlich gehören meine beiden Familien zusammen.

Sr. Christine Zeis MC

10. Sonntag im Jahreskreis / Markus 3, 20-35