Die Schönheit Gottes – 28.02.21

Es ist schon ein paar Jahre her, aber diese Motive habe ich tief in mir gespeichert, Naturereignisse, die ich eines Winters während meiner Exerzitien entdecken durfte. Meine täglichen Spaziergänge führten mich damals in den nahe gelegenen Wald, der zu dieser Jahreszeit weitgehend entlaubt war und zunächst grau auf mich wirkte. Eines Morgens aber nahm ich auf den Blättern am Boden Wassertropfen wahr, die wie winzige Perlen regelmäßig verteilt auf allen glatten Oberflächen saßen. Auch ohne direkte Sonneneinstrahlung schimmerten sie silbern. Am andern Tag hatte es über Nacht gefroren und die Tautropfen waren erstarrt. Sie besetzten nicht nur die Blätter, sondern auch ein Spinnennetz, das ich zwischen Zweigen entdeckte. Wie bei einem mehrreihigen Collier schienen die Eisperlen aufgefädelt. Ich bekam Herzklopfen und war überglücklich. Ich war auf eine Schönheit aufmerksam geworden, wie sie kein Mensch auf Erden fertigen konnte.

So ähnlich wird es den Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes ergangen sein, als sie mit Jesus auf einen Berg stiegen und er vor ihren Augen verwandelt wurde. Der Evangelist Markus beschreibt das Weiß seiner Kleider so, dass es auf Erden kein Bleicher machen kann. Sie durften in Jesus göttliche Schönheit schauen und lernen, dass ihr Meister auch der himmlischen Welt angehörte. Schönheit ist ein Name Gottes. Wo ich Schönes sehe, öffnet sich mir der Himmel, und für einen Moment darf ich meine Verbindung mit Gott spüren.

Sr. Ruth Pucher MC

2. Sonntag der Fastenzeit / Markus 9,2-10