Der Unbekannte unter uns

Dritter Adventsonntag. Sonntag Laetare. Sonntag der Freude. Selbst die Adventkerzen am Kranz und die liturgischen Gewänder wechseln die Farbe vom schweren, dunklen Violett zum leichten, hellen Rosa. Die Texte sprechen vom Aufjubeln des Menschen, der im Herzen erfasst, was Gott eigentlich vorhat.

In der ersten Lesung begegnet uns wieder Jesaja, der von seiner tiefen Gotteserfahrung spricht. Wieder wird deutlich, wie sehr es Gott um das Leben der Menschen und der Völker in Würde und Freiheit geht. Das zu erfahren, lässt Jubel im Propheten aufbrechen – und auch in mir. Dies ist die “Sorge” Gottes: unsere Herzen zu heilen, Befreiung zu schaffen, Armen das Heil zu künden. Und auch heute ruft er alle Getauften und Menschen guten Willens, genau dies in unserer Welt zu verwirklichen. Nicht in abstrakten Lehrsätzen – nein  in meinem Alltag, in meinem Lebensvollzug mit all seiner Vielschichtigkeit.

Im Evangelium zeigt sich die Suche der Menschen. Der Zeuge des Lichtes, Johannes der Täufer, wird befragt. Er zieht die Aufmerksamkeit auf sich, und die vielen Erwartungen der Messiasvorstellungen vermischen sich. Da sagt Johannes ein Wort, das mich trifft: „Unter euch steht der, den ihr nicht kennt.“ Wir wissen, Jesus hat sich gleichgesetzt mit den Armen, mit jedem einzelnen. Ich glaube, niemand braucht heute weit zu gehen, um in seinem Umfeld, auf der Straße, im Beruf “Arme” zu entdecken. Unter uns steht der, den wir nicht kennen. Eine sehr beunruhigende Aussage, die in mein Leben bricht. Wo erkenne ich Ihn denn? Konkret?

Die Linien dieses Sonntags sind voll Kraft und beunruhigend zugleich. Wenn wir den Heilswillen Gottes – Würde, Freiheit, Heilung für jeden Menschen und für die Völker – im Herzen erfahren, bricht Freude, Jubel und Kraft in uns auf. Es drängt mich, Ihn zu erkennen, der unter uns steht und Ihm Raum zu schaffen.

Sr. Paula Wuschitz MC

3. Adventssonntag / Jesaja 61,1-2.10-11; Johannes 1,6-8.19-28