Das größte Geschenk – 09.05.21

Was gibt es Schöneres als geliebt und angenommen zu sein? Das Geschenk der Liebe – wie sichtbar und spürbar ist sie in unserem oft so vollen und auch leicht verletzbaren Leben?

Jesus erzählt in diesem Evangeliumstext von der Liebe zu und von der Verbundenheit mit seinem Vater. In und aus dieser Liebe hat er gelebt und gewirkt. In diese Liebe will er auch uns hinein nehmen und sie durch uns weiterschenken. Für solch ein erfülltes und fruchtbringendes Leben nennt er einige Orientierungshilfen.

Einmal geht es um die Verbundenheit mit Jesus: „Bleibt in meiner Liebe!“ (Vers 9) Er lädt uns ein, in diese Beziehung einzutreten und daraus zu leben. Das zweite ist: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ (Vers 12). Wie hat Jesus geliebt? In der individuellen Zuwendung zu jedem einzelnen Menschen.

Was heißt das für mich als Missionarin Christi in meinen Alltag? Und wie setze ich das um? Für mich bedeutet das, in meinen Möglichkeiten alle Menschen mit ihren Sorgen und Ängsten, ihren Freuden und Hoffnungen ernst zu nehmen. In meiner Arbeit im Kinder-, Jugend- und Familienzentrum der Caritas, in einem der sozialen Brennpunkte von Leipzig, bin ich in der Familienbildung tätig. Dort begegne ich Menschen aller Altersgruppen, die auf ihre je eigene Weise Liebe, Nähe, Kontakt und Hilfe brauchen.

Da geht es oft um ganz konkrete Hilfe, wenn geflüchtete Menschen zu uns kommen. Sie brauchen Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen, verstehen die Post o.ä. nicht. Anderen helfe ich beim Erlernen der deutschen Sprache.

Bei Eltern geht es oft um ein Dasein, Zuhören, sie in ihren Anliegen zu verstehen versuchen. Sie wünschen sich Stärkung und Bestätigung in der Erziehung ihrer Kinder. Ich versuche sie auf ihrem Weg zu begleiten, vorhandene Ressourcen zu erkennen und gemeinsam neue Möglichkeiten zu entdecken.

Darüber hinaus freuen sich auch Freunde und Bekannte über ein offenes Ohr, eine Gesprächspartnerin per Telefon und Mail oder einer Nachfrage – einfach mal so.

Kraft, Energie und Motivation bekomme ich aus der Beziehung und Hinwendung zu Jesus Christus: Im Schauen auf SEIN Leben und Wirken, wenn ich im Gebet die Menschen in ihren verschiedenen Situationen zu IHM bringe und im stillen Dasein bei IHM. Aus dieser Verbundenheit kann ich Frucht bringen und Menschen zu „neuem“ Leben begleiten. Sichtbar wird die Frucht manchmal in der persönlichen Rückmeldung, in Form eines Lächelns, durch das kleine und einfache Wort „Danke!“, in der Offenheit beim Erzählen und im erneuten Anfragen nach Hilfe.

Wann und wo haben Sie das letzte Mal Liebe erfahren?

Wen haben Sie glücklich gemacht?

Sr. Arlette Reichel MC

6. Sonntag der Osterzeit / Johannes 15, 9-17