Aus dem Herzen gesprochen – 31.01.21

Als Zuhörerende bei Reden oder Predigten kennen Sie wahrscheinlich wie ich die Erfahrung, dass so manche Worte in uns nichts bewegen. Oder Sie müssen manchmal selbst enttäuscht feststellen, dass eigene Worte wirkungslos, vielleicht unbeachtet vom Gegenüber verklingen. Wie anders klingt dagegen, was der Evangelist von der Wirkung der Jesusworte sagt: „Er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.“

Wenn Jesus lehrt, geht es nicht um theologische Spitzfindigkeiten oder lebensfremde Erläuterungen, die das Herz nicht berühren können. Er schafft bei seinen Jüngern und Jüngerinnen Betroffenheit und Staunen über die Unmittelbarkeit seiner Gotteserfahrung. Dies geschieht mitten im Leben und durch die Vollmacht mit der er davon spricht.

Dabei weiß er aus dem Erleben seiner Zeit heraus genauso wie wir heute: Machtvolle Worte wirken, sie können auch zerstören – umso schlimmer, wenn sie aus politischen oder religiösen Machtpositionen heraus gesagt werden. Aber wessen Worte Gewalt androhen, Angst machen und einschüchtern, der spricht niemals im Namen Gottes, mit welchem Namen er Gott auch immer anruft.

Jesu Macht kommt allein aus der Rückbindung an Gott, der Liebe ist. Ihm spricht er aus dem Herzen. Deshalb berühren seine Worte uns in der Tiefe, in der diese Liebe Resonanz findet, lassen uns aufatmen und frei sein. Da braucht es keine inneren dämonischen Kräfte oder äußeren Zwänge mehr, die einen besetzt halten oder von uns selbst entfremden.

Gott  aus dem Herzen zu sprechen mitten in die sinnlich erfahrbare Welt hinein bedeutet auch für jede von uns, hier und jetzt in der Liebe wirksam zu werden.

Dazu sind Sie und ich Bevollmächtige in seinem Namen.

Sr. Mareile Hartl MC

4. Sonntag im Jahreskreis / Markus 1, 21-28