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"Esst und trinkt, was man euch anbietet"

In Russland wurden wir Schwestern öfters zum „Chai-pitje“ eingeladen: Teetrinken, eine Veranstaltung am Nachmittag. Wie wir deutsche Schwestern es also gewöhnt waren, haben wir daheim gut zu Mittag gegessen und sind dann nachmittags zu unserem Gastgeber zum Teetrinken gegangen. Sobald uns die Tür geöffnet wurde, erahnten wir, dass „Teetrinken“ in Deutschland und in Russland zwei völlig verschiedene Begebenheiten sind. Uns schlug eine Duftwolke entgegen, die mit allem Möglichen gefüllt war, außer mit dem Duft nach Tee oder Kaffee. Wir lernten: Zu einem Chaj-pitje sollte man unbedingt mit leerem Magen kommen! Es wird alles aufgetischt, was nur möglich ist. Und dabei auch Dinge, die unbekannt und für unsere Mägen auch ungewohnt waren.

Oft habe ich in Russland an den Satz aus dem heutigen Evangelium gedacht: „Esst und trinkt, was man euch anbietet“. Dabei geht es nicht nur um solche Dinge wie die herzhafte Torte aus Leberpfannkuchen oder die Fischsuppe, bei der mich Fischaugen noch traurig angeschaut haben. Ich habe Wichtigeres dabei gelernt: Das, was jetzt ist, das Leben, wie es mir im Moment angeboten wird, versuchen anzunehmen - auch wenn mir manches dabei nicht schmeckt. Im Ausland lernte ich, die fremde Kultur und eine anders gelebte Religiosität unter dem Wort „Esst und trinkt, was man euch anbietet“ anzunehmen. In Deutschland lerne ich jetzt, meinem Leben, meinem Alltag, eben dem, was mir täglich begegnet, angeboten und teils auch zugemutet wird, immer wieder den Frieden zu wünschen. Und so zu erleben: Das Reich Gottes ist nahe!

Was kann mir Hilfe sein, anzunehmen was das Leben mir anbietet?

Sr. Maria Stadler MC

14. Sonntag im Jahreskreis / Lukas 10, 1-12.17-20

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