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13.07.2017 00:00

Vom Herzen zum Herzen


"I-sim-jeon-sim" heißt ein altes koreanisches Sprichwort aus der buddhistischen Tradition. Es hat so in der Alltagssprache Fuß gefasst, dass es völlig ohne religiösen Kontext verwendet wird. Daher wissen selbst viele Koreaner nicht mehr: Das Sprichwort entstammt einer Überlieferung, wonach einst Gautama Buddha seinen Schülern eine Lotusblume zeigte. Da er es im Schweigen tat, fragten sich alle, was das nun heißen solle. Einer aber verstand ihn und erwidert mit einem stillen Lächeln... Auf diese Begebenheit führt dieses Sprichwort zurück und es bedeutet "vom Herzen zum Herzen“ bzw. „gar ohne Worte". Verwendet als religiöser Begriff, ist es nach wie vor eine wichtige "Methode" in der Seon-Schule (koreanischer Zen-Buddhismus).

Unser Meister Jesus setzt in seinem Gleichnis des Sämanns durchaus eine Zuhörer freundliche, bild- und wortreiche Pädagogik ein. So nimmt er einen Alltagsgegenstand als Anschauungsmaterial für die Hörer. Für engere Schüler_innen gibt er auch Nachhilfe, indem er das Ganze noch mal auslegt. Dabei gibt es diesen bizarren Vorbehalt: Denen die es nicht verstehen (werden/können/wollen?), soll umso weniger erklärt werden.
Diese scheinbar unfaire Rigorosität deute ich aber so: Jesus sehnt sich verzweifelt, dass doch jeder Mensch die Frohe Botschaft verstünde! Diese Botschaft von einem Sämann, dem Vater, der so reichlich das Saatgut verstreut, ja beinah verschwendet… Diese Botschaft von einem allerbarmenden, aktiv um uns werbenden Gott will in unserem Leben Fuß fassen. Da braucht es vernünftige Pflege und Begleitung, wie auch Unterscheidung und Befreiung von Hindernissen. Doch im Wesentlichen kommt es darauf an, dass wir unser Herz öffnen für SEIN Herz. Und vom Herzen zum Herzen verstehen.

Was spricht er heute zu mir durch seine stille Präsenz?

Sr. Joanna Jimin Lee MC

15. Sonntag im Jahreskreis / Matthäus 13,1-23